Apr 26 2012

Wie funktioniert eine ketogene Diät?

Die ketogene Diät verwendet sehr wenig Kohlenhydrate.Um den Energiebedarf des Organismus zu decken,  muss deshalb mehr Fett gegessen werden.  Außerdem isst man mehr Eiweiß zur Versorgung mit Proteinen. Bei einem Mangel an Zucker stellt die Leber dann aus dem Nahrungsfett sogenannte Ketonkörper her. Es entstehen dabei drei verschiedene Ketone:

  • Beta-Hydroxybutyrat,
  • Acetoacetat und
  • Aceton

Davon werden die ersten beiden zur Versorgung der Zellen benötigt. Das Aceton entsteht sozusagen als Abfall aus den beiden ersteren. Es wird über die Haut, den Urin und die Atemluft ausgeschieden. Man kennt das Aceton auch als Lösungsmittel, zum Beispiel für Nagellack. Bei einem Menschen, der sich ketogen ernährt, verursacht dies einen leichten, typischen Körpergeruch.

Fast alle Körperzellen können Ketonkörper als Energiequelle nutzen. Am wichtigsten sind sie aber für das Gehirn. Im Normalfall beziehen Gehirnzellen ihre Energie aus Kohlenhydraten, die Gehirnzellen stellen aber um auf Ketonkörper, wenn sie keine Kohlenhydrate bekommen. Die Ketonkörper  stellen etwa 75 Prozent der benötigten Energie bereit, der Rest wird aus Glukose geliefert, die über die Leber und den Nieren in der Glukoneogenese hergestellt wird. Doch nicht nur das Gehirn, fast alle Körperzellen können mit Ketonkörper arbeiten. Die noch verbleibende Glukose reicht aus, um die wenigen zuckerabhängigen Zelltypen des Gehirns, oder die wenigen Zellarten, wie die roten Blutkörperchen, zu versorgen. Letztere sind unbedingt auf Glukose angewiesen.

Die ketogene Ernährung ist für die Bedürfnisse von Krebspatienten gut geeignet, denn gesunde Zellen bekommen ausreichend Fett als Energieträger und für den gesteigerten Eiweißbedarf liefern Proteine aus Muskelfleisch, Eieren, Käse, Fisch etc. Somit wird einer Gewichtsabnahme wirkungsvoll vorgebeugt. Tumore haben jedoch keine Vorteile, denn es fehlen die für das Wachstum dringend benötigten Kohlenhydrate und Fette nimmt das Tumorgewebe nicht auf. Zur Eiweißversorgung verlässt sich der Tumor auf das Albumin. Die meisten der Aminosäuren, die nach der Verdauung vom Darm ins Blut übergehen, nehmen Tumore nicht in nennenswerten Mengen auf.

Weitere Faktoren zur Krebsbekämpfung:

  • Blutzuckerwerte möglichst konstant halten, Spitzen vermeiden. Das Risiko einer Krebserkrankung ist bei erhöhten Blutzuckerwerten erhöht.
  • Insulinspitzen meiden – Insulin regelt nicht nur den Blutzucker, es fördert als anaboles Hormon zellaufbauende Reaktionen im Körper und greift in Zellteilungsvorgänge ein.
  • Ketonkörper wirken direkt auf Zellen und Gewebe.
  • Entzündungsreaktionen im Körper vermeiden.Chronische Entzündungen wirken als Auslöser für verschiedene Krebsarten, wie zum Beispiel eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori, die zu Magenkrebs führen kann.

Ist eine ketogene Ernährung gesund?

Eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und viel Fett und Eiweiß steht in sehr grassem Gegensatz zu den Empfehlungen der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ (DGE). Seit Jahren warnen diese „Ernährungsexperten“, aber auch viele Ärzte, vor zuviel Fett im Essen: Es drohen angeblich Übergewicht, Herz-Kreislauf-Probleme, ungünstige Blutfettwerte etc. Dies wird jedoch von Wissenschaftlern und Ärzten zunehmend infrage gestellt.

Die Frage, ob eine ketogene Ernährung auf längere Sicht praktiziert gut oder schlecht ist, beantwortet ein Blick in unsere Vergangenheit. Die meiste Zeit in unserer Entwicklung war die Ketogenes der Normalfall. Der heute übliche Kohlenhydratüberschuss gab es vor der Zeit von Ackerbau und Viehzucht nicht. Die Hauptnahrung der steinzeitlichen Menschen waren große Tiere, Wurzeln, Beeren und Nüsse. Von Honigwaben mal abgesehen, waren Kohlenhydrate in der Ernährung Fehlanzeige. Unsere Vorfahren befanden sich nach einer Mahlzeit überwiegend in der Ketose.

Auch heute noch gibt es Volksgruppen (oder gab es noch vor nicht allzu langer Zeit), die sich kohlenhydratarm und damit ketogen ernähren. Traditionell lebende Massai essen Fleisch und trinken Blut und die Milch ihrer Rinder. Eskimos jag(t)en Wale und Robben und ernähr(t)en sich ausschließlich davon. Viele Indianerstämme ernährten sich von Pemmikan (getrocknetes Fleisch und Fett). Nach historischen Berichten waren diese Gruppen von erstaunlicher Gesundheit und Robustheit. Krebs trat bei ihnen äußerst selten auf.

Wichtig: Nicht alle Menschen vertragen eine ketogene Ernährung, bestimmte Stoffwechselstörungen oder Funktionsstörungen innerer Organe können dazu führen, dass diese Ernährungsform für manche Patienten nicht geeignet ist. Bevor Sie sich für eine ketogene Ernährung entscheiden, sollten Sie zuvor unbedingt Ihren Arzt befragen. Nochmals sei darauf hingewiesen, eine ketogene Ernährungsform ist auf gar keinen Fall ein Ersatz für eine Therapie. Sie kann allenfalls unterstützend eingesetzt werden.

 

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