Apr 04 2012

Nährstoffverluste in unserer Nahrung

Verschärfend zu den Umweltproblemen kommt es zu einem ständig fortschreitenden Verlust an Nährstoffen in unseren Nahrungsmitteln. Neben der Überversorgung an Kalorienträgern kommt es zu einer Verarmung an Vitaminen, Spurenelementen und pflanzlichen Inhaltsstoffen. Diese konnte in einer groß angelegten Studie des Schwarzwald Sanatoriums in Obertal unter den Chefärzten Hermann Geesing und Karl Pflugbeil eindrucksvoll gezeigt werden. Die Idee der Untersuchung war es, aufzuzeigen, ob und wie sich der Gehalt an Vitaminen in den verschiedensten Nahrungsmitteln innerhalb von 20 Jahren verändern kann. Zur Überraschung aller Beteiligten konnte aufgezeigt werden, dass der Vitamingehalt in den unterschiedlichsten Obstsorten, egal ob heimische Produkte oder exotische Früchte, um bis zu  80% zurückgegangen ist. Die Gründe in dieser Entwicklung liegen in der zunehmenden weltweiten Verwendung von Pestiziden und Herbiziden, in immer früherer Ernte, also von unreifen Früchten, Bestrahlung und Begasung zur Haltbarmachung und in unsachgemäßer Lagerung. In den letzten Jahren wird die Qualität von Obst und Gemüse durch den Einsatz der Gentechnologie noch weiter minimiert. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar, im Gegenteil, die Eingriffe in natürliche Wachstums- und Reifungsprozesse sollen noch zunehmen.

Vergleich zwischen einer 1985 erstellten Studie und den 1996 in einem Lebensmittellabor ermittelten Werten in Obst und Gemüse

Mineralien + Vitamine
in mg je 100 g Lebensmittel
untersuchte Inhaltsstoffe

Ergebnis
1985

Ergebnis
1999
Differenz
Brokkoli Calcium
Folsäure
Magnesium
103
47
24
33
23
18
Minus 68%
Minus 52%
Minus 25%
Bohnen Calcium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B 6
56
39
26
140
34
34
22
55
Minus 38%
Minus 12%
Minus 15%
Minus 61%
Kartoffeln Calcium
Magnesium
14
27
4
18
Minus 70%
Minus 33%
Möhren Calcium
Magnesium
37
21
31
09
Minus 17%
Minus 57%
Spinat Magnesium
Vitamin C
62
51
19
21
Minus 68%
Minus 58%
Apfel Vitamin C 5 1 Minus 80%
Banane Calcium
Folsäure
Magnesium
Vitamin B 6
Kalium
8
23
31
330
420
7
3
27
22
327
Minus 12%
Minus 84%
Minus 13%
Minus 92%
Minus 24%
Erdbeeren Calcium
Vitamin C
21
60
18
13
Minus 14%
Minus 67%

 

Quelle: 1985 Pharmakonzern Geigy. 1996 Lebensmittellabor Karlsruhe/Sanatorium Oberthal

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Studie, die 2004 von der Uni Hamburg. Allein beim Apfel sind im 10-Jahresvrergleich 87 % der wichtigsten Meneralien weniger vorhanden. Es handelt sich vor allem um Eisen, Kalzium und Kupfer. Noch schlimmer ist es beim Vitamin C, da sind es ganze 96 %. Ähnlich sieht es mit der Tomate aus: Kupfer -65 %, Eisen – 6 %, Vitamin C ca. -50 %. Auch die Kartoffel schneidet nicht besser ab, sie enthält gerade mal halb so viel Eisen wie noch vor zehn Jahren.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind:

  • Turbowachstum beim Anbau
  • Jede Menge Düngung mit NPK (also Stickstoff, Phosphor und Kalium), die lediglich der Steigerung der Ertragsmenge dient. Zuviel Stickstoff reduziert den Gehalt an Vitamin C in der Pflanze
  • Verarmung der Ackerböden an Mineralstoffen wie auf der vorigen Seite ausführlich beschrieben
  • Zuviel Kohlendioxid in der Atmosphäre
  • Erhöhte Biomasse bei gleichzeitiger Reduzierung der Wasseraufnahme aus dem Erdreich (unser Bericht Vorseite) bewirken eine Verdünnung der Mineralstoffe und der Vitamine in der Pflanze
  • Viel zu frühe Ernten
  •  Obst und Gemüse werden in den seltensten Fällen ausgereift geerntet. Nur reife Früchte haben den vollen Gehalt an Vitaminen
  • Zu lange Transportwege und falsche Lagerung, wobei mit der Lagerung auch die dekorative Obstschale auf dem Tisch gemeint ist. Vitamine verlieren bei der Lagerung an der Atemluft durch Oxidation wichtige Vitamine.
  • Zubereitung: Durch Denaturierung (durch Mikrowelle und Schnellkochtopf aber teilweise auch durch normales kochen) werden Vitamine und Eiweißstrukturen zerstört

 

Dem Gemüse fehlen die Vitamine

Nach einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ Nr. 82 vom 19./20, April 2004:- Auszug

Nahrungsmittel aus den Niederlanden gefährden die Gesundheit

Aufgrund seiner intensiven Nutzung ist der holländische Boden ausgelaugt.

Den Haag – Niederländer werden immer dicker, sind aber dennoch chronisch unterernährt. Das ist die erschreckende Botschaft von Ernährungswissenschaftlern. Dies dürfte aber nicht nur für Niederländer zutreffen, sondern für jeden, der Gemüse aus Holland isst. Die Unterernährung hängt mit den mangelhaften Produkten aus niederländischen Gewächshäusern zusammen.

Die Qualität von Eisbergsalat, Blumenkohl, Champignons, Gurken, Spinat, Chicorée sowie anderen Gemüseprodukten, die auf holländischem Boden wachsen, lässt zu wünschen übrig. Denn der holländische Boden ist aufgrund seiner intensiven Nutzung total ausgelaugt und versorgt das Gemüse nicht mehr mit ausreichend Mineralien, aus denen dann im Gemüse während des Wachstumsprozesses Vitamine entstehen können. Die Folge: Der Gehalt von Vitamin C beispielsweise in Gurken aus niederländischen Gewächshäusern ist in den vergangenen Jahren um 99 Prozent zurückgegangen. Das fanden Wissenschaftler der renommierten Agraruniversität Wageningen heraus. Auch der Vitamingehalt von beispielsweise holländischem Broccoli oder Blumenkohl ging ging demnach seit 2001 um 84 Prozent bzw. 64 Prozent zurück. Chicorée aus Holland enthält überhaupt kein Vitamin C mehr.

Diese Enthüllungen wecken Erinnerungen an die holländische Tomate. Sie wurde vor einigen Jahren von den _Verbrauchern als „Wasserbombe“ verspottet, weil sie durch Überzüchtung und Massenproduktion in holländischen Treibhäusern ihren ursprünglichen Geschmack fast völlig verloren hatte …

Doch diese Ernährungssituation trifft nicht nur für die Niederlande zu. Bei uns sieht es keinesfalls  besser aus.

 

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